Kreiskulturpreis 2015 an Mario Derra verliehen:

„Er führt Menschen zusammen!“











Foto: Harald von Haza Radlitz

 Gernsheimer Künstler Mario Derra (3.v.l.) ist Kulturpreisträger 2015! Landrat Thomas Will (l.) überreichte die Auszeichnung im Georg-Büchner-Saal zusammen mit den Jury-Mitgliedern (v.r.) Horst Außenhof, Prof. Dr. Ernst Erich Metzner, Heike Karcher und Prof. Dr. Wolfgang Schneider.

  

KREIS GROSS-GERAU – „Warum bekomme ich den überhaupt?“: Mario Derra, Kulturpreisträger 2015 des Kreises Groß-Gerau, war zunächst überrascht, als er die Nachricht von seiner Auszeichnung erhielt. Aber spätestens nach der feierlichen Preisverleihung im Georg-Büchner-Saal des Landratsamts dürfte der bescheidenen Künstler nun wissen, „warum“: „Weil es ihm in seinen Werken gelingt, Heimat zu schaffen“, brachte es Landrat Thomas Will auf den Punkt. Und weil er „die Inkarnation kultureller Vielfalt ist“, wie es Festredner und Jurymitglied Prof. Dr. Wolfgang Schneider formulierte.

 Erstmals, so der Landrat vor den zahlreich erschienenen Ehrengästen, gehe der Kulturpreis an einen bildenden Künstler. Und mit Mario Derra an einen Menschen, der in eindrucksvoller Weise zwei der wichtigsten Aufträge verbinde, die Kunst und Kultur in unserem Land seit eh und je zu erfüllen haben: Menschen emotional zu bewegen und Menschen über alle sozialen und kulturellen Barrieren hinweg zusammenzuführen und zu guten Nachbarn zu machen: „In seinen Werken spiegelt sich die landschaftliche, wirtschaftliche und intellektuelle Vielfalt der Region aufs Eindrücklichste wider.“

 Will dankte den Jurymitgliedern: der Treburer Malerin Heike Karcher, dem Rüsselsheimer Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Ernst Erich Metzner, dem Musiker und Lehrer Horst Aussenhof, dem Bischofsheimer Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Schneider und Karin Krömer als Vertreterin des Kulturförderpreisträgers 2014: „Sie haben – wieder einmal – eine ausgezeichnete Wahl getroffen!“ Die Mitarbeiter des Kreiskulturbüros hätten große Mühe in die Vorbereitung und Durchführung der Preisverleihung investiert, und Dank des pianistischen Könnens von Bastian Hahn von der Riedstädter BüchnerBühne sei auch der musikalische Rahmen der Preisverleihung in höchstem Maße gelungen.

 Kulturpolitisches Handeln im Kreis Groß-Gerau, so der Landrat, habe stets das Zusammenleben von Menschen im Blick: „Das meint, dass nicht nur ästhetische Kategorien eine Rolle spielen, wenn wir von Kultur reden. Denn natürlich kann Kultur Integration befördern, eine Stadtentwicklung begünstigen, das Zusammenleben vereinfachen. Und nicht zuletzt: Kultur bringt Menschen zusammen!“ Der Kreis sehe sich dabei eher in der Rolle eines „Ermöglichers“, kulturelle Förderung solle darauf abzielen, Menschen zu ermöglichen, sich zu entwickeln, Ihnen zu helfen, aus Möglichkeiten Fähigkeiten zu machen: „Und auch für diese Haltung ist Mario Derra der ideale Preisträger.“ Denn seine Kunst, so Thomas Will abschließend, wirke aufklärend, indem sie Menschen befähige, über sich und ihren Alltag, ihre Umwelt und ihr Bild von der Welt nachzudenken.

 Laudator Wolfgang Schneider verband seine Würdigung des Preisträgers mit einem Appell an die Politik: „Deshalb ist öffentliche Kulturförderung keine freiwillige Aufgabe, liebe Kommunalpolitiker, sondern ist Angelegenheiten der grundgesetzlich garantierten Eigenverantwortung der örtlichen Gemeinschaften; deshalb darf kommunale Kulturpolitik, liebe Landtagsabgeordnete, nicht durch Kürzungen bei den Haushaltskonsolidierungen oder beim Finanzausgleich gefährdet, sondern muss durch besondere Zuwendungen möglich gemacht werden. Dieser Preis ist deshalb auch als kulturpolitisches Plädoyer zu verstehen!“ Der Kulturwissenschaftler erinnerte an die vielfältigen Begabungen Derras, der ein Mittler zwischen Kunst und Bildung sei – und zugleich Fotograf, Buchdrucker, Maler, Druckgrafiker, Keramiker, Landschaftszeichner und Grafikdesigner. Gesellschaftliches Engagement sei ihm genauso wichtig wie das Bestreben, andere an seiner Kunst, aber auch an  seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen teilhaben zu lassen: „Dafür darf ich Ihnen, lieber Mario Derra, Namens und im Auftrag der Jury unseren großen Respekt erweisen. Wir schätzen uns glücklich, Sie ehren zu dürfen!“

 Grüße überbrachte auch Dr. Martin Röper vom Bürgermeister-Müller-Museum in Solnhofen, wo Derra vor einigen Jahren die noch immer größte Lithographie der Welt erschaffen hatte: „Wir gratulieren herzlich und freuen uns, Sie immer wieder bei uns begrüßen zu dürfen.“

 Der Preisträger selbst dankte nicht nur dem Kreis, der Jury und seinen Lehrern, sondern auch seinem Vater und seinem Onkel: Ohne deren Unterstützung hätte er die Renovierung seines Ateliers im alten Gernsheimer E-Werk nie geschafft, das mittlerweile weit über die Region hinaus Anerkennung als Zentrum für graphische Kunst genießt. Auch die Käufer seiner Werke vergaß er nicht: „Kunst muss schließlich finanziert werden!“ Besonders freute sich Mario Derra, dass er an seinem Ehrentag Gäste aus beiden koreanischen Staaten begrüßen durfte, wo er am „Early Printing Museum“ in Cheongju (Südkorea) mehrfach ausgestellt und Lehraufträge wahrgenommen hatte....                                           Text: Jochen Kahl - Pressestelle des Kreises Groß-Gerau

Zum Verleihung des Kulturpreises 2015 zeigte Mario Derra 2016 die Ausstellung:

„1976 – 2016 Chroniken einer Region“Farbradierungen aus 40 Jahren

im Landratsamt Groß-Gerau und im Obergeschoss des E-Werks in Gernsheim.

 

 

Zum Andruck  auf einer hölzernen Lithographiepresse aus dem Jahr 1840 kamen am      27. September 2016 ins E-Werk: Schirmherr der Ausstellung und Landrat Thomas Will rechts, Bürgermeister Peter Burger 2. von rechts und zahlreiche Vertreter der Gremien des Kreises Groß-Gerau und der Stadt Gernsheim.                Foto: Harald von Haza-Radlitz